In einer Studie, die die Kanalisierungsquote des Online-Glücksspiels in Deutschland zum Gegenstand hat, wurde für Casinos ohne Erlaubnis der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder ein Marktanteil von unter 23 Prozent ermittelt. Die GGL hatte die Studie im ersten Quartal 2024 in Auftrag gegeben. Die Berechnung stützt sich auf eine Befragung, an der 2.000 Personen teilgenommen haben.
Rund 22,4 Prozent der Einsätze in Casinos ohne GGL Lizenz
Im Rahmen ihrer Studie hat die Blockchain Research Lab gGmbH 2.000 Menschen zu Einsätzen und Verlusten bei Online-Glücksspielen ausgefragt. Demnach entfallen 22,38 Prozent der Wetten und 22,97 Prozent der Verluste auf illegitime Anbieter, die keine Lizenz der GGL besitzen. Das Marktvolumen des Schwarzmarktes wurde für 2023 auf etwa 466 Millionen Euro geschätzt. Dies entspricht einer Kanalisierungsrate von 77,03 Prozent.
Verglichen mit Nachbarländern wie Österreich ist die Kanalisierung erstaunlich hoch. Seiten mit Echtgeld-Plattformen sollen in Österreich einen Marktanteil bis zu 71 Prozent auf sich vereinen. Ausschlaggebend ist das Festhalten am Monopol und einem einzigen konzessionierten Online Casino. Während in Deutschland über 210 Spielstätten eine Erlaubnis der GGL innehaben (Stand: Ende 2024), steht das österreichische Monopol einer hohen Kanalisierung entgegen.
Höhere monatliche Einsätze und Verluste
Obwohl illegitime Casinos in der Online-Befragung bloß zu 20,3 Prozent genannt wurden, liegen die Einsätze und Verluste deutlich höher. Dies weist auf ein höheres Risiko in Casinos ohne Prüfsiegel der GGL hin. Schutzmaßnahmen wie der Panik-Knopf, auf 1 Euro beschränkte Einsätze und verpflichtende Einzahlungslimits greifen auf ausländischen Plattformen nicht. Ob Casinos individuelle Limits anbieten, obliegt dem Betreiber.
Ein weiterer Faktor, der in der Studie keine Erwähnung findet: In Casinos ohne deutsche Lizenz erfolgt die Verifizierung oft nach der ersten Auszahlung. Auf der Whiteliste aufgeführte Casinos kontrollieren Daten wie den Namen, das Alter oder die Anschrift bereits vor dem ersten Aufladen des Kontos. So werden minderjährige oder via OASIS gesperrte und gefährdete Spieler frühzeitig identifiziert.
Studie aus dem Jahr 2023 gab höheren Marktanteil an
2023 hatte eine Studie der Universität Leipzig ein drastischeres Bild gezeichnet: Illegale Casinos würden einen Marktanteil von 50 Prozent erreichen. Allerdings erkennt die Blockchain Research Lab gGmbH hier keinen Widerspruch. Denn: Die Studie der Uni Leipzig hatte nur Seitenaufrufe gemessen. Auch kurzfristige Besuche oder unbeabsichtigte Klicks auf Werbebanner flossen dadurch in die Berechnung des Marktanteils ein.
In der Ende 2025 abgeschlossenen Studie wurde dagegen eine Befragung durchgeführt, die das tatsächliche Nutzerverhalten abbildet. Offenkundig verzerren viele Faktoren die Datenlage. Trotz einer sorgsam umgesetzten Umfrage merken die Forschenden an, dass die gewonnenen Daten mit Vorsicht zu genießen sind. Wahrscheinlich bewegt sich das echte Marktvolumen zwischen 20 Prozent und 50 Prozent.
Online kursieren zahlreiche Studien, die versuchen, den Marktanteil des illegalen Online-Glücksspiels einzuschätzen. Dies gestaltet sich schwierig. Während der legale Markt regelmäßig Zahlen zu den Bruttospielerträgen vorlegt, entziehen sich die illegalen Anbieter weitgehend dem Monitoring. Forschende sind daher auf technische Hilfsmittel angewiesen. Jedes Modell hat individuelle Vor- und Nachteile, sodass Studien zu abweichenden Ergebnissen kommen.
Schutzmaßnahmen bedeuten einen Wettbewerbsnachteil
Während sich die GGL nach der Veröffentlichung der Studie in ihrem Handeln bestätigt sieht, übt die Blockchain Research Lab gGmbH durchaus Kritik. Schutzmaßnahmen wie die Einzahlungs- und Einsatzlimits oder die 5-Sekunden-Regel an Spielautomaten würden eine höhere Kanalisierung behindern. Wer sich von Regelungen eingeschränkt fühlt, wendet sich rasch dem nicht lizenzierten Markt zu. Dies betrifft insbesondere Vielspieler und High-Roller, die Einsätze höher als 1 Euro bevorzugen.
In ihrer Studie legen die Forschenden der GGL nahe, den lizenzierten Markt nicht stärker zu benachteiligen als nötig. Denn: Jede Schutzmaßnahme birgt einen Wettbewerbsnachteil und stärkt ungewollt den Schwarzmarkt. Aufgabe der GGL ist es, diesen Zielkonflikt aufzulösen und den Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) gegebenenfalls anzupassen.
Derzeit wartet die GGL eine weitere Studie ab, die sich mit dem Spielerschutz im Internet befasst und die Maßnahmen des GlüStVs 2021 evaluiert. Die Studie wurde 2023 von der GGL beauftragt und wird nach drei Jahren abgeschlossen sein. Je nachdem, zu welchem Ergebnis diese Studie kommt, könnte sich die GGL veranlasst sehen, bei den Ländern auf eine Anpassung der bestehenden Regeln einzuwirken. Angesichts der hohen Kanalisierungsrate ist dies nicht sicher zu erwarten. Im Gegensatz zu anderen Ländern pocht der GlüStV seit seiner Novellierung 2021 auf strengere Regeln, vor allem beim Spielerschutz.
Keine repräsentative Stichprobe
Für die hier behandelte Studie hat die Blockchain Research Lab gGmbH mit 2.000 Personen auf den ersten Blick eine repräsentative Umfrage durchgeführt. Allerdings gestehen die Forschenden selbst ein, dass eine solche Umfrage vermehrt informierte und technikaffine Teilnehmer anziehen könnte. Aufgrund der zeitintensiven Befragung besteht außerdem zu befürchten, dass Vielspieler, die in mehreren Casinos aktiv sind, unvollständige Auskünfte erteilen.
Dazu kommt: Der Fragebogen erkundigt sich nach Spielaktivitäten, Einsätzen und Verlusten der vergangenen zwölf Monate. Aufgrund des langen Zeitraums ist anzunehmen, dass sich die Befragten falsch erinnern und Verluste unabsichtlich oder bewusst niedriger beziffern.
In der Studie wird empfohlen, solche Befragungen häufiger zu initiieren und kürzere Zeiträume abzufragen. Idealerweise sind Teilnehmer wiederholt zu befragen. Dies beseitigt Unsicherheiten und verbessert langfristig die Datenlage.
GGL will illegales Glücksspiel weiter bekämpfen
Für die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder ist die Studie äußerst hilfreich. Sie veranschaulicht die Spielgewohnheiten bei lizenzierten und nicht lizenzierten Anbietern. Zudem werden andere Studien vorgestellt, die etwa auf die Bedeutung neuer Zahlungsmittel wie Kryptowährungen in Zusammenhang mit Glücksspiel hinweisen.
Neue regulatorische Herausforderungen sind der GGL nicht fremd: Erst im Juni 2026 hatte man sich einem gemeinsamen Statement europäischer Aufsichtsbehörden angeschlossen, das auf die Gefahren neu aufkommender Prognosemärkte aufmerksam macht.
















