Einsatzsteuer drückt RTP bei deutschen Online-Slots

Der gleiche Spielautomat zahlt in Deutschland weniger aus als im Ausland. Ein Spiel, das auf internationalen Portalen mit einem RTP von 96 Prozent gelistet ist, hält in der regulierten deutschen Version meist bei 87 bis 90 Prozent. Nicht die Hersteller sind schuld daran, sondern zwei vom Gesetzgeber eingefügte Eingriffe, die seit dem 1. Juli 2021 gelten.

Der Markt ist kleiner, als der Begriff es vermuten ließe. Unter Echtgeld Slots fallen im regulierten Bereich ausschließlich die virtuellen Spielautomaten, die vor der Zulassung jeweils einzeln von der Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder geprüft und genehmigt werden. Tischspiele oder Live-Dealer-Runden werden dagegen unter dieser Genehmigung nicht geführt.

Steuer auf Einsatz statt Gewinn

Im Zuge des reformierten Rennwett- und Lotteriegesetzes wurde eine Abgabe eingeführt, die im Glücksspielbereich ungewöhnlich ist. Sie wird nicht auf den Erlös des Betreibers, sondern auf das Geld des Spielers, und zwar auf jeden einzelnen Einsatz, erhoben. 5,3 Cent auf jeden gesetzten Euro, egal ob gewonnen oder verloren wird.

Das klingt nach nicht viel, doch entfacht es eine Dynamik, die sich erst über eine Spielsitzung wirklich erschließt. Wer insgesamt 100 Euro einzahlt, von denen er einen Teil zurückgewinnt und diesen erneut einsetzt, zahlt mehrmals Steuer auf denselben Grundstock, da jeder erneute Einsatz wieder in die Bemessungsgrundlage einfließt. Über dutzende Runden kann auf diese Weise ein steuerpflichtiger Umsatz zusammenkommen, der ein Vielfaches von der Einzahlung beträgt, und die tatsächliche Steuerlast auf den Bruttoerlös des Anbieters liegt weit über den 5,3 Prozent, die auf dem Papier stehen.

Diesen Betrag, auf den dann später die Anbieter Steuer an den Fiskus entrichten müssen, zahlen die meisten Betreiber nicht aus eigener Tasche, sondern geben ihn z.B. durch eine niedrigere RTP an die Spielerschaft weiter. Spielt ein Slot also international mit z.B. 96 Prozent RTP, kommt er bei deutschen Spielern mitunter nur mit 87-90 Prozent RTP an.

Doch wie sieht das Ganze im Durchschnitt aus? Das hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder für 2024 erstmals beziffert: Im Schnitt zahlten die Anbieter 88,5 Prozent der gemeldeten Einsätze an die Spieler zurück. Das ist der Durchschnitt über alle Anbieter und deren Einsätze in einem gesamten Jahr, nicht der Wert zu einem einzelnen Spin.

Der Wert im Spiel selbst und dieser Jahresschnitt sind zwei verschiedene Dinge. Der eine ist eine Vorgabe des Herstellers, der andere das Ergebnis realer Einsätze und Auszahlungen. Eingepreist ist die Steuer in beiden.

Ob die Konstruktion klug ist, ist umstritten. Eine Abgabe auf den Einsatz trifft den regulierten Markt härter als eine auf den Ertrag, und ausgerechnet dort, wo der Staat die Nachfrage einfangen wollte, wirkt sie wie ein Nachteil gegenüber Anbietern, die sich ihr entziehen.

Maximal ein Euro pro Spin, fünf Sekunden Stop, kein Autoplay

Die Steuer ist nur die eine Hälfte. Der Glücksspielstaatsvertrag greift auch unmittelbar in den Ablauf ein. Höchstens ein Euro darf pro Runde gesetzt werden, zwischen zwei Runden müssen mindestens fünf Sekunden liegen, und den Start gibt jedes Mal der Spieler von Hand, weil ein automatischer Weiterlauf verboten ist. Anbieterübergreifende progressive Jackpots, wie sie internationale Slots zu Millionensummen auftürmen, sind ausgeschlossen, denn Einsätze dürfen nicht angesammelt werden, um spätere Gewinne zu speisen. Nach 60 Minuten ununterbrochenen Spiels erzwingt das System zudem eine Pause, die sich erst nach fünf Minuten wieder aufheben lässt.

Zur Pflicht gehört auch, die durchschnittliche Auszahlungsquote pro eingesetztem Euro offen auszuweisen. Dazu kommt eine Regel, die im Alltag kaum auffällt. Wer diese geprüften Automatenspiele anbietet, darf sie nicht Casino oder Casinospiele nennen. Der Vertrag trennt sie von den Online-Casinos, die einzelne Bundesländer in eigener Regie betreiben, und die Wortwahl gehört zu dieser Trennung.

Der wirksame RTP steht im Info-Menü

Die Zahl auf der Übersichtsseite eines Anbieters muss nicht die sein, mit der ein Spiel gerade läuft. Mehrere Hersteller liefern ihre Titel in verschiedenen RTP-Stufen aus, und welche aktiv ist, entscheidet der Betreiber. Hacksaw Gaming etwa spreizt einzelne Slots von gut 96 bis auf rund 88 Prozent. Nachprüfen lässt sich der wirksame Wert nur im Informationsfeld des Spiels, das sich über das i- oder Zahnrad-Symbol öffnet.

Ganz oben halten sich wenige Ausnahmen. Book of 99 von Relax Gaming ist auf 99 Prozent ausgelegt und hält den Wert auch nach den deutschen Anpassungen, was den Titel unter mehreren tausend Spielen zur Seltenheit macht.

Jeder zweite Euro landet womöglich im Graumarkt

Klein ist das Segment nicht. Im vierten Quartal 2025 setzten Spieler an regulierten Online-Automaten 1.231 Millionen Euro ein, ausgewiesen im Marktmonitor der Behörde. Angeboten werden diese Spiele von 35 Betreibern mit deutscher Erlaubnis, die meisten davon mit Sitz auf Malta. Wie viel daneben im unregulierten Bereich läuft, ist die eigentliche Frage, und hier gehen die Schätzungen auseinander.

Für den gesamten Online-Markt nennt die Glücksspielbehörde für 2024 eine Kanalisierung von gut drei Vierteln, also 23 Prozent Schwarzmarkt. Enger auf die Automatenspiele geschaut fällt die Bilanz schlechter aus. Eine Untersuchung des ifo Instituts mit dem Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie kam 2024 auf etwa die Hälfte. Wäre das richtig, flösse jeder zweite an einem Slot gesetzte Euro an einen Anbieter ohne deutsche Lizenz.